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Die Idee ist nichts wert, es kommt auf die Umsetzung an

Christian W. Gaiser, Gründer und Geschäftsführer von kaufDa, über Teamwork und Tempo in der Internetbranche.

Christian W. Gaiser hat kaufDa Ende 2008 aus der Taufe gehoben und vom Hinterhof-Start-up zur größten lokalen Handelsplattform in Deutschland mit über 100 Mitarbeitern aufgebaut. Das innovative Geschäftsmodell hat auch große Unternehmen angelockt. Seit einem halben Jahr gehört kaufDa mehrheitlich zur Axel Springer AG. Allein kann man so etwas nicht schaffen, sagt der Gründer, der mit 25 Jahren auf Platz 35 der Top-Manager Deutschlands gewählt wurde. Für ihn ist ein gutes Team noch wichtiger als die Idee, weil am Ende die Umsetzung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Und die unbedingte Bereitschaft, immer hohes Tempo zu gehen. Für einen Unternehmer im Internet zählt die Geschwindigkeit.

Was ist kaufDa?
Mit kaufDa erleichtern wir das lokale Einkaufen. Dabei bieten wir drei große Vorteile: Man kann bei uns in lokalen Angeboten schmökern – von Baumärkten über Elektronikmärkte bis hin zu Mode und Möbeln –, man man kann gezielt nach Produkten suchen und man kann sich für ein konkretes Produkt anmelden. Wenn das in der Umgebung im Angebot ist, dann schicken wir eine Erinnerung. Gleichzeitig dienen wir für Händler als Tool, um neue Verbraucher zu erreichen, genauer gesagt: um Printwerbung digital zu ergänzen. Dabei bieten wir eine sehr faire und transparente Abrechnung und umfassende Auswertungsmöglichkeiten.

Wann haben Sie das Unternehmen gegründet?
kaufDa haben wir Ende 2008 aus der Taufe gehoben. Anfangs war das mit großen Schwierigkeiten verbunden, weil wir die Firma gegründet haben, als Lehman Brothers in den USA pleiteging. Das heißt, es war quasi kein Geld da, um neue Firmen aufzubauen. Wir haben aber mit großem Durchhaltevermögen bis etwa ein Jahr nach der Gründung große Erfolge erzielt und das Unternehmen dann Schritt für Schritt von vier auf heute über 110 Mitarbeiter aufgebaut. Seit etwa einem halben Jahr gehören wir mehrheitlich zur Axel Springer AG.

Hätten Sie bei der Gründung gedacht, dass kaufDa so erfolgreich wird?
Ich war davon von Anfang an überzeugt. Weil wir einen großen Markt haben – in Deutschland mehr als drei Milliarden Euro, die hier ausgegeben werden – und weil wir von Anfang an viel Wert auf ein gutes Produkt gelegt haben. Das ist im Internet entscheidend, dass man schaut, wie man den Verbraucher ideal ansprechen kann. Und das Dritte ist: Wir haben ein gutes Team. Das gilt für meine Mitgründer genauso wie die zweite Ebene, das Management.

Keine Zweifel?
Man muss vollkommen hinter dem stehen, was man tut und auch immer ein bisschen die Weltherrschaft anstreben. Man muss von Anfang an ganz groß denken. Etwas Neues zu starten gleicht im Grunde einer Achterbahnfahrt, wo man tagtäglich große Wellen erlebt; die großen Wellen des Erfolges genauso wie das große Tal der Tränen. Und da braucht man viel Herzblut und innere Zuversicht. Gerade in den Anfangszeiten ist das sehr wichtig.

War Digital schon immer der Bereich, in dem Sie arbeiten wollten?
Anfangs war ich ein großer Freund von Investmentbanking. Mich hat dabei aber immer gestört, dass ich nicht selbst etwas aufbauen konnte. Das hat mich an der Internetbranche gereizt. Man kann sehr schnell eine Firma gründen und auch ohne Erfahrungswerte erfolgreich sein, wenn man es richtig macht.

Mobil ist für mich die Zukunft Nummer eins.

Welche Entwicklung ist hier gerade besonders spannend?
Smartphones. Wenn man sich anschaut, was das iPhone für eine Begeisterung ausgelöst hat – das ist wirklich erstaunlich. Ich denke, dass Geräte wie das iPhone, wie Android- oder Windows-Smartphones ganz neue mobile Anwendungen ermöglichen: Mobiles Shopping, Location Based Services, Navigation. Wir stehen erst am Anfang von einer epochalen Entwicklung, und bei kaufDa setzen wir auch sehr stark darauf. Mobil ist für mich die Zukunft Nummer eins.

Welche Rolle spielen dabei Tablets?
Die sind mindestens genauso spannend wie Smartphones. Als das iPad vor etwa einem Jahr auf den Markt kam, haben wir gesagt: Das ist etwas, wofür wir Steve Jobs persönlich danken müssen. Es ermöglicht es, ganz neue Zielgruppen in einer ganz anderen Situation anzusprechen, zum Beispiel die sogenannten Silver Surfer über 50, die gerade auf der Couch sitzen und das Internet nutzen wollen, obwohl sie es im Vorfeld noch nie getan haben. Bei uns hat das iPad schon einen Umsatzanteil von 15 Prozent.

Wie sieht die Digitale Welt in zehn Jahren aus?
Sie wird eine noch stärkere Dynamik entfalten. Man redet ja heutzutage immer darüber, dass das Internet klassische Medien ablöst, also vom disruptiven Charakter von Online versus Print oder Online versus Radio oder Online versus TV – ich glaube dagegen, dass wir in zehn Jahren eine ganz andere Entwicklung haben werden. Der Verdrängungswettbewerb innerhalb der Internetbranche wird viel größer, zum Beispiel im Online-Werbemarkt, wo Internetunternehmen, die erst vor drei Jahren gegründet wurden, schon wieder von neuen Firmen abgelöst werden. Selbst als Marktführer in einem Bereich wird man viel stärker auf der Hut sein müssen, um nicht überholt zu werden.

Spüren sie diese Dynamik auch bei kaufDa?
Ja. Einer der wesentlichen Charakterpunkte von Internetprojekten ist, dass man sie relativ schnell kopieren kann. Sie lassen sich nicht schützen. In unserem Fall gibt es mittlerweile mehr als zehn Firmen, die unser Geschäftsmodell kopieren. Um da vorne zu bleiben, muss man einfach sehr schnell sein.

Da ist unheimlich starkes Adrenalin, das durch die Internetunternehmen fließt.

Tempo, Tempo, Tempo – ist das manchmal anstrengend?
Das finde ich nicht. Ich denke vielmehr, dass das den großen Charme dieser Branche ausmacht. Da ist unheimlich starkes Adrenalin, das durch die Internetunternehmen fließt. Man kann mit wenig Geld, einem guten Team und einer tollen Idee sehr schnell Erfolg haben, sehr stark wachsen und so auch mit den Großen konkurrieren. Es gibt nirgendwo so niedrige Eintrittsbarrieren wie im Internetumfeld.

Was muss man mitbringen, um so etwas wie kaufDa hochzuziehen?
Man braucht viel mehr als nur eine Idee, um erfolgreich zu sein. Die Idee allein ist nichts wert, es kommt immer auf die Umsetzung an. Man braucht gute Investoren – nicht unbedingt diejenigen, die das meiste Geld haben, sondern die, die smart sind. Und man braucht ein gutes Team, weil man es allein kaum schafft, so etwas aufzubauen.

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