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Digitale Bezahlmodelle: Die richtige Kombination entscheidet

Georg Konjovic, Director Premium Content, über tragfähige Bezahlmodelle im Internet und die wichtigste Voraussetzung für einen digitalen Macher.

Als Director Premium Content bei Axel Springer ist Georg Konjovic für die Etablierung kostenpflichtiger Inhalte im Internet verantwortlich. Den MEDIA ENTREPRENEURS wird der versierte Online-Profi als Mentor mit Rat und Tat zur Seite stehen. Er ist davon überzeugt, dass die Bezahlung für journalistische Inhalte im digitalen Zeitalter vor allem von der richtigen Kombination aus Qualität und intelligenten Abrechnungsmodellen abhängig ist. Im Interview verrät der 33-Jährige, wie diese Kombination aussehen könnte und was ein MEDIA ENTREPRENEUR dazu beisteuern kann.

Entscheidend für ein Medienhaus werden zukünftig tragfähige digitale Geschäftsmodelle sein. Wie wollen Sie die Leute dazu bringen, für Inhalte zu bezahlen?
Wenn es um paid content geht, geht es um die Produkte. Wir müssen innovative Produkte finden, für die Kunden bereit sind zu bezahlen. Ich bin davon überzeugt, dass es draußen unendlich viele gute Produktideen gibt, wie man journalistische Inhalte monetarisieren kann, und die Bewerber und Bewerberinnen bei MEDIA ENTREPRENEURS werden sicherlich den einen oder anderen Input bringen können, was im Markt fehlt und was wir vielleicht im Verlag bisher überhaupt nicht gesehen haben.

Stichwort App Store – welche Rolle spielen Apps bei ihren Überlegungen?
Von Anfang an waren die Kunden es gewohnt, für alles, was sie mobil nutzen, Geld zu bezahlen. SMS, Telefonanruf, Klingelton, Wallpaper – immer war Geld dahinter und wir sehen, dass sich das im Bereich der Apps eins zu eins fortsetzt. Apps werden gekauft, das ist ein Millionen-Dollar-Geschäft auch in Europa. Im App Store von Apple oder im Marketplace von Android haben wir eine Situation der hohen Zahlbereitschaft und nicht von bisheriger kompletter Gratisnutzung. Im offenen Internet ist die Herausforderung anders, hier blicken wir auf mehr als zehn Jahre kostenfreies Internet zurück und da gilt es nun, Produkte zu finden, für die die Kunden in Zukunft bereit sind zu zahlen. Hier stehen wir noch relativ am Anfang.

Ich glaube nicht, dass es möglich ist, bereits existierende Produkte eins zu eins kostenpflichtig zu machen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie im offenen Internet?
Im sogenannten offenen, also im stationären Internet werden wir gute und innovative Produkte ausrollen und die dann mit einem Preisschild belegen. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, bereits existierende Produkte eins zu eins kostenpflichtig zu machen. Der Kunde erwartet schon etwas mehr, für das er dann erst bereit ist, auch Geld zu bezahlen. Das kann eine interaktivere Seite sein, eine personalisierte News-Seite, die die Informationen des Social Graph verwertet und die ganzen Inhalte so für den Kunden zusammenstellt, wie er sie gerne hätte – und nicht, wie wir sie gerne hätten.

Große Zeitungen, die ihre Internetpräsenz kostenpflichtig gemacht haben, müssen mit dramatischen Lesereinbrüchen kämpfen. Wie löst man dieses Dilemma?
Es gibt keine grundsätzlich gleiche Lösung für alle Angebote. Und die Versuche, die da unternommen werden, sind sehr unterschiedlich. Zeitungen wie die Londoner “Times”, die ab der ersten Seite kostenpflichtig sind, haben tatsächlich bis zu 90 Prozent ihrer Nutzer verloren. Aber wenn wir auf die “New York Times” schauen, die erst kostenpflichtig wird, wenn man über 20 Seiten nutzt, dann haben wir eine andere Situation. Hier liegt der Reichweitenverlust nur bei etwa elf Prozent. Daran sieht man, dass es sich nicht um ein Schwarz-Weiß-Thema handelt, nach dem Motto: entweder paid oder Reichweite. Es gibt auch Mischformen. Mit einem vernünftigen, intelligenten Modell schaffe ich es, einen großen Teil meiner Reichweite zu bewahren und trotzdem auch paid content zu etablieren.

Unser Geschäft war, ist und bleibt für immer hochwertiger Journalismus.

Glauben Sie, dass gedruckte Zeitungen auf absehbare Zeit noch eine wichtige Rolle spielen werden?
Print und Online werden sicherlich noch sehr sehr lange nebeneinander existieren. Wir haben uns ja bei Axel Springer nie als ein Haus gesehen, dessen Aufgabe es ist, Zeitungen und Zeitschriften auf Papier zu drucken. Unser Geschäft war, ist und bleibt für immer hochwertiger Journalismus. Wir haben die letzten Jahre vor allem auf Print ausgeliefert, das ist ein Ausgabekanal – und nun gibt es die große Chance, auf neuen Kanälen wie Tablets, Smartphones oder vernetzten Fernsehern in den Wohnzimmern auszuliefern – und wer weiß, was noch alles kommt.

Es wird immer digitaler und vor allem wird es mobiler.

Wenn Sie in die Zukunft schauen: Was ist die zentrale Herausforderung für Medienanbieter in den nächsten Jahren?
Es wird immer digitaler und vor allem wird es mobiler. Das ist die größte Veränderung, die uns bevorsteht: Das Web wird nicht mehr stationär genutzt, sondern auf dem Smartphone oder Tablet in der Bahn. Und dafür gilt es, die passenden Produkte zu entwickeln.

Was muss man mitbringen, um in dieser Branche erfolgreich zu sein?
Ein digitaler Macher oder eine digitale Macherin muss vor allem nach vorne schauen. Nicht die Vergangenheit in epischer Breite analysieren und überlegen, was falsch gelaufen ist, sondern überlegen: Was braucht der Markt? Wo ist eine Lücke, wo fehlt eine Innovation, wo kann ich ein Geschäftsmodell aufbauen? Und dann ganz streng in diese Richtung arbeiten und erst zufrieden sein, wenn die Idee verwirklicht und am Markt erhältlich ist.

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